Geschichte

Am 11. September 1867 nahm die Dampfbrauerei Carl Kuntze an der Duderstädter Landstrasse in Worbis ihren Braubetrieb auf. Der aus Großbodungen gebürtige Firmengründer hatte das Brauhandwerk „von der Pike auf“ erlernt und baute seine Kenntnisse u.a. auf seiner bis nach Russland führenden „Walz“ aus.

Die spätere Umfirmierung in „Brauerei Neunspringe“ ist auf einen alten Flurnamen zurückzuführen, der verschiedene Deutungen zulässt. Der Volksmund berichtet von neun dort entspringenden Quellen. Eine andere Deutung, dass ein „neuer Spring“ – eine neue Quelle – zur Namensgebung führte, ist ebenso nachvollziehbar.

In den Anfangsjahren der Brauerei wurde eine Nebenlandwirtschaft mit Viehhaltung betrieben. Die zum Braubetrieb gehörigen Pferde und Kühe wurden zum Transport der Bierwagen eingesetzt.

Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Pferdestärken durch die Anschaffung eines Lastkraftwagens ersetzt. Das zum Kühlen des Biers erforderliche Eis wurde auf den Forellenteichen bei Büschleb’s Mühle geschlagen und mit Pferdewagen in die Eiskeller der Brauerei transportiert. Nach dem Tod des Firmengründers Carl Kuntze übernahmen seine Söhne Karl und Thilo den Braubetrieb. Unter ihrer Führung wurde das Vertriebsnetz der Neunspringer Brauerei immer weiter ausgebaut.

So entstanden u.a. Niederlassungen in Duderstadt, St. Andreasberg, Bleicherode, Nordhausen, Kelbra und in anderen Städten des näheren Umkreises. Wie die Ausgangsbücher der Brauerei belegen, wurde das bei der Neunspringer Kundschaft sehr beliebte „Doppel-Karamel“ bis Hannoversch-Münden, Kassel und Eisenach ausgeliefert. Der von den Gebrüdern Kuntze geplante Ausbau der Produktion wurde mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges zwangsläufig „auf Eis gelegt“.

Am 1. Dezember 1953 erfolgte die Überführung der Thüringer Privatbrauerei in einen volkseigenen Betrieb (VEB Brauerei Neunspringe). Die Produktionsleitung des verstaatlichten Betriebs lag in den Händen von Ernst Egert, sein Nachfolger war der aus Niederorschel stammende Braumeister Koch.